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Sonntag, 19. Januar 2020
   
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5.; Judentum
Jahr: 120 S.
Übergeordnetes Werk: Die Weltreligionen / Trutwin, Werner
Bandangabe: 5.
verfügbarverfügbar
Exemplare
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Standorte: RPS 422/76 -5 Status: Verfügbar Frist: Vorbestellungen: 0
Inhalt
Vorwort:
 
Liebe Schülerinnen und Schüler,
am Anfang des Unterrichts über das Judentum soll eine Schul-Geschichte stehen, die einen ersten Eindruck jüdischen Geistes und Glaubens vermitteln kann. Sie ist aus Osteuropa überliefert, wo die Juden lange im Exil lebten. Dort waren sie heftigen Verfolgungen ausgesetzt und dort lebten sie in großer Armut. Das bedeutete eine große Herausforderung auch für ihre Religion.
Da stellt um 1800 ein Chassid, eine Art jüdischer Religionslehrer, den die Leute erfurchts-voll "Raw" d. h. "Meister", nennen, seinem Schüler die Frage aller Fragen: "Mosche, was ist das, Gott?" Der Schüler schweigt. Der Raw fragt zum zweiten und zum dritten Mal, ohne eine Antwort zu bekommen. Schließlich will er von seinem Schüler wissen: "Warum schweigst du?" Dieser muss eingestehen: "Weil ich es nicht weiß." Nun wird der Raw nicht unwillig, wie es bei Lehrern oft zu beobachten ist, wenn die Schüler die Fragen nicht beantworten können. Im Gegenteil. Er bekennt, dass er das Nichtwissen seines Schülers teilt und fragt ganz offen: "Weiß ich es denn?" Beide wissen nicht, wer Gott ist, weil das Wissen von Gott alle unsere Erkenntnis übersteigt. Aber mit seinem Eingeständnis ist der Raw nicht am Ende. Er bekennt seinem Schüler, dass er trotz seines Nichtwissens von Gott sprechen muss. "Aber ich muss sagen; denn so ist es, dass ich es sagen muss: Er ist deutlich da und außer ihm ist nichts deutlich da und das ist er."
Die Geschichte liefert einige Stichworte, die zum Verständnis des Judentums beitragen: In der Fremde leben - Lehrer und Schüler - an der Tradition festhalten - Fragen über Fragen - wissen wollen - das Eingeständnis des Nichtwissens - die Überzeugung von Gottes Dasein. Das ein oder andere Stichwort kann auch uns heute nachdenklich machen, weil es von Erfahrungen bestimmt ist, die nicht an die damalige Situation gebunden sind.
Aufs Ganze ist aber unsere Situation heute kaum mehr mit der des osteuropäischen Judentums vor 200 Jahren vergleichbar. Es gab inzwischen die Aufklärung, die der Vernunft und dem Verstand eine neue Rolle zugewiesen hat. Wissenschaftliche und technische Neuerungen haben unser Leben in vorher nicht gekanntem Maß verändert. Furchtbare Weltkriege, millionenfache Fluchtbewegungen, ideologisch begründeter Rassismus, Hungersnöte, soziale und ökologische Probleme haben die Welt erschüttert. Das alles hat auch starken Einfluss auf die Religion und die Religionen gehabt. Darum ist sie in unserer Zeit für viele Menschen nicht mehr aus sich "selbstverständlich".
Das Wort "Religion" mag in Ihnen unterschiedliche Reaktionen auslösen. In Ihrem Kurs kann es Christen und NichtChristen, Gläubige und und Ungläubige, vielleicht auch Juden, Muslime und Angehörige anderer Religionen geben. Manche Kursgruppe der Sekundarstufe II ist eine kleine multikulturelle Gesellschaft, die gute Voraussetzungen für einen interreligiösen Dialog mitbringt. Einigen von Ihnen wird ihr Glaube viel bedeuten, ohne dass es sie hindert, in bestimmten Punkten auch Kritik an der eigenen Religion zu üben. Dagegen stehen andere dem, was man pauschal "Religion" nennt, ablehnend gegenüber. Für sie ist Religion ein Relikt aus vergangenen Zeiten, die in der modernen Welt zu nichts mehr nütze ist und ihnen selbst auch nichts mehr geben kann. Viele von Ihnen schwanken möglicherweise zwischen Zustimmung und Ablehnung. Für sie gibt es in der Religion positive und negative Erscheinungen, ergreifende und schreckliche Züge und vor allem auch viele unverständliche Elemente. Vielleicht stehen Sie noch vor der Entscheidung, ob Religion in Ihrem Leben eine wichtige Rolle spielen soll oder nicht.
Wie ein jeder von Ihnen auch persönlich zu Religion steht - für Sie alle kann die Beschäftigung mit Religion wertvoll sein. Sie können dabei wichtige Kenntnisse gewinnen, neue Er fahrungen machen und vielleicht auch Orientierungen für das eigene Leben finden. Dazu nur ein paar erste Hinweise.
- Religionen halten die Ahnung von einer höheren Dimension wach, indem sie nach Gott, Göttern, Göttlichem und nach Erlösung, Licht und Heil fragen. Sie wissen von faszinierenden Erfahrungen einer anderen Welt (Mystik), der sie die Attribute Einzigartigkeit und Unvergänglichkeit, Heiligkeit und Herrlichkeit zuschreiben.
- Religionen geben auch heute den meisten Menschen unserer Welt Zuversicht für ihren Alltag, Anregungen für ihr Handeln, Perspektiven für die Zukunft und Hoffnung über den Tod hinaus.
- Religionen stellen die großen Lebensfragen nach Gut und Böse, Glück und Unglück, Freude und Leid, Zeit und Ewigkeit.
- Religionen haben bemerkenswerte Vorstellungen vom Menschen (Anthropologie) und vom richtigen Leben und Handeln (Ethik) ausgebildet.
- Religionen bestimmen bis heute in vielfacher Weise das politische und soziale Leben der Völker und sind darum für ein Grundverständnis unserer Welt unverzichtbar.
- Religionen haben großartige Frauen und Männer hervorgebracht, überall in der Welt bewundernswerte Kunstwerke geschaffen und eine reiche Kultur entwickelt.
- Religionen haben ihre Schattenseiten. Sie haben Angst eingejagt, schädliche Riten praktiziert. Intoleranz bewiesen, Kriege geführt, Schrecken verbreitet. All dies tun sie auch heute noch. Nach den Ursachen dieser Missstände ist zu fragen.
Es lohnt sich, all diesen komplexen und bedeutungsvollen Phänomenen nachzugehen.
Dieser Band ist dem Judentum gewidmet. Heute gibt es ca. 18 Millionen Jüdinnen und Juden in der ganzen Welt, von denen sich viele nicht religiös definieren. Damit ist das Judentum unvergleichlich viel kleiner als alle die Religionen, die man herkömmlicherweise als "Weltreligionen" bezeichnet. Umso bemerkenswerter ist das geistige und geschichtliche Profil des Judentums. Es hat in seiner jahrtausendealten Geschichte einen unerhörten Reichtum an Ideen und Persönlichkeiten hervorgebracht. Die weltweite Landschaft der Religionen ist jedenfalls da, wo sie Monotheismus anzeigt, nachhaltig vom Judentum geprägt. Es ist eine lebendige plurale Religion auch in der Gegenwart, wenngleich nicht übersehen werden kann, dass es heute gerade in seiner Religiosität, ähnlich wie das Christentum und der Islam, durch die vielfältigen Einflüsse der Moderne erheblich herausgefordert wird. Die vielen Schrecken, die das Judentum in der Geschichte zu ertragen hatte, vor allem die unvergleichlichen Leiden der Schoa, und die Gründung des jüdischen Staates Israel haben tiefe Spuren im Profil des heutigen Judentums hinterlassen und es neu mit der Frage nach dem Sinn seiner Existenz und Religion konfrontiert.
Als Deutsche und als Christen sind wir auf vielfache Weise in die Geschichte des Judentums verwickelt. Darum geht uns das Judentum mehr an als alle anderen nichtchristlichen Religionen. Es ist eine unerlässliche Aufgabe, zusammen mit den Juden über Fragen der Religion nachzudenken, die Erinnerung an die Geschichte wachzuhalten und die Hoffnung auf eine menschenwürdige Zukunft zu befördern.
 
Bonn, Rosch Haschana, jüdisches Neujahrfest 1997
Werner Trutwin
Details
Jahr: 120 S.
Systematik: RPS 422
ISBN: 978-3-491-75631-1
Beschreibung: 120 S.
Schlagwörter: Abraham, Adam, Anthropologie, Antisemitismus, Auschwitz, Bar Mizwa, Bildnis, Christentum-Judentum-Beziehung, Diaspora, Eschatologie, Esoterik, Ethik, Eva, Evangelischer Religionsunterricht, Exodus, Faschismus, Frömmigkeit, Gebet, Gott, Gymnasiale Oberstufe, Gymnasium, Islam, Israel, Jerusalem, Jesus Christus, Juden, Judentum, Judenverfolgung, Jüdische Ethik, Jüdisches Fest, Katholischer Religionsunterricht, Konzentrationslager, Lehrbuch, Mensch, Menschenbild, Messias, Mose, Mystik, Nahrung, Nationalsozialismus, Oberstufe, Orthodoxie, Philosophie, Rabbiner, Religion, Religionsgeschichte, Religionskunde, Religionsphilosophie, Religionspsychologie, Religionsunterricht, Religionswissenschaft, Rolle der Frau, Sabbat, Schulbuch, Sekundarstufe II, Synagoge, Talmud, Theodizee, Thora, Tod, Weltreligion, Zehn Gebote, Zionismus
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